22 - 09 - 2017

Aufklärung tut not - Fragen der Konvente an ihre Bildungsreferenten

"Diffus", so nannte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Position der Kirchen zum Thema sexuelle Vielfalt in Schule und Unterricht. In einer Stellungnahme hatten sich die vier großen Kirchen im Land Baden-Württemberg zusammengetan, um die diesbezüglichen Pläne der Landesregierung zu kritisieren. Und es fallen schwere Vokabeln in dem Schreiben, welches die Bildungsreferenten der beiden evangelischen Kirchen (Baden und Württemberg) und der beiden katholischen Diözesen (Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) im Namen ihrer Kirchen am 10.01.2014 veröffentlicht hatten. Von Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination war dort die Rede.  War damit das Vorhaben des Kultusministeriums gemeint, Schülerinnen und Schülern künftig Respekt gegenüber sexuellen Minderheiten zu vermitteln? An dieser wie an vielen weiteren Stellen bleibt das Papier der Kirchen unklar. Nahe legt sich dieser Eindruck aber schon. So war das auch die einhellige Interpretation in den Medien. Beispielsweise titelte DIE WELT "Die Angst der Kirchen vor neuer Sexualmoral".

Ja, was wollten die vier Kirchen mit ihrer Stellungnahme eigentlich ausdrücken?

Was "in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers sei", das müsse auch im Unterricht kontrovers behandelt werden, so lautet eine zentrale Aussage in der Stellungnahme. Aber was heißt das in Bezug auf die Thematisierung vielfältiger sexueller Identitäten? Dass im Unterricht politische Kontroversen zum Beispiel zum Thema Adoptionsrecht nicht verschwiegen werden sollen? Wer würde das bestreiten wollen? Nur in der Auseinandersetzung mit kontroversen Positionen können Kinder und Jugendliche sich eine begründete eigene Meinung erarbeiten. Oder aber heißt es, dass Schule sich nicht positionieren darf, wenn es um den Respekt gegenüber der Vielfalt und der Gleichwertigkeit von Menschen verschiedener Identitäten geht? Das wäre eine ganz andere Frage. Hier käme es auf Differenzierungen an, die man in dem Papier der Bildungsreferenten nicht nur an dieser Stelle vergeblich sucht.

Die lesbisch-schwulen Konvente in den beiden evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg reagieren auf das diffuse Papier ihrer Kirchen mit einer Reihe ganz gezielter Fragen, die Klarheit in den Nebel der Worte bringen sollen, in den die vier Referenten ihre Ablehnung der Reformen hüllen. Nun warten sie gespannt auf eine Antwort, und mit Ihnen sicher auch viele andere Personen, an die die Konvente ihr Schreiben weitergeleitet haben: Vom Landesschülersprecher über die Bischöfe bis zum Ministerpräsident. An der Antwort der Referenten wird man dann hoffentlich auch ablesen können, ob die Bildungsreferenten nur über eine Bildung reden, "die Kinder und Jugendliche stark macht, eine eigene Identität auszubilden" oder auch bereit sind, sich dafür zu engagieren.

Der vollständige Brief zum Nachlesen findet sich im Anhang.

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